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| Datensicherung mit und ohne Bandlaufwerk |
Eine Datensicherung auch genannt Backup ist eine komplizierte aber notwendige Sache.
Deswegen sollte man sich vorher klar machen was man erreichen will. Und allen Benutzern und Chefs gelegentlich erklären was das Backup leistet und was nicht.
Ein Wiederherstellen des letzten gesicherten Standes des Rechners ist ein klassisches Backup. Aus Sicherheitsgründen sollte man mehrere Backups besitzen. Auch ein Backup Band geht mal kaputt!
Vom Backup zu unterscheiden ist die Offlinelagerung und die Datenverfügbarkeit der Daten.
Richtige Datenbanken brauchen besondere Beachtung beim Backup. Meist bringt die Datenbank ein spezielles Tool mit.
Teilweise Sicherung
Normalerweise reicht es, folgendes zu sichern:
- /home: Die gesamten Benutzerdaten.
- /etc: Die gesamte Konfiguration.
- /usr/local: Alles, was außerhalb der Distribution selbst kompiliert/installiert wurde.
- /opt: Falls es existiert und Du hier selbst distributionsfremde Software installiert hast, dito.
- /(boot/)zImage: Deinen Kernel. Ggf. auch zusammen mit LOADLIN auf einer Bootdiskette.
- packages.list: Eine Liste sämtlicher installierter Pakete, generiert mit rpm -qa > packages.list oder dpkg (oder dem PaketManager deiner LinuxDistribution):
dpkg --get-selections "*" > selections-all
Kann dann später wieder eingelesen werden (Habe ich noch nicht getestet):
dpkg --set-selections < selections-all
- /usr/src/linux/.config (oder /boot/*config): Deine Kernel-Konfiguration.
- /var ist teilweise auch wichtig, z.B. email-Spools, Datenbanken usw.
Das setzt aber voraus, dass wirklich sämtliche Konfigurationsdateien in und unterhalb von /etc liegen (wie bei Debian), dass alle Installationen von selbst kompilierter Software und nicht in Paketform gelieferter Software in und unterhalb von /usr/local und /opt liegen (da mußt Du selbst aufpassen), und natürlich, dass es eine Möglichkeit gibt, die Paketliste wieder automatisiert zurück zu installieren, und zwar möglichst schnell und einfach (ist bei Debian der Fall, mittels dpkg --get-selections und dpkg --set-selections und anschließendem apt-get dselect-upgrade).
Vollständige Sicherung
Ansonsten kann man natürlich, genug Platz vorausgesetzt, auch einfach das gesamte System sichern. Außer einer Möglichkeit zu booten, die Platten ggf. neu zu partitionieren und auf das Backup-Gerät zuzugreifen (nicht lachen: so selbstverständlich scheint das gar nicht zu sein), braucht man nichts weiter zu beachten. Linux besitzt keine versteckten Systemdateien oder so etwas ähnliches. Und diese Features bietet meistens die Distributions-CD, wenn nicht, bastelt man sich eine Bootdiskette mit der Bootdisk-HOWTO.
Man kann für solche Aktivitäten tar benutzen. Ein Komplettbackup des gesamten Systems auf DAT-Tape geht mit
cd / ; tar cvf /dev/st0 --exclude=./proc --exclude=./tmp
Man hüte sich davor, dabei Kompression mit gzip ("z") oder bzip2 ("j") zu verwenden, denn:
- Streamer haben heutzutage Kompression in Hardware eingebaut und komprimieren die Daten blockweise
- gzip und bzip2 komprimieren den kompletten Stream - dies würde bei einem fehlerhaften Block auf dem Band zum Verlust aller nachfolgenden Daten führen!
Man sollte aber vorher u.U. ein init S machen, d.h. auf Singleuser-Modus ohne Netzwerk runterfahren, damit so wenig wie möglich Dienste während des Backups laufen. Dann muss man sich noch Gedanken machen, wie man ein Linux wieder booten kann, wenn der Plattencrash passiert ist - oft reicht die Boot-CD der jeweiligen Distribution, aber nicht immer ist dort auch der passende Code für das gerade benutzte Tape dabei.
Am besten einmal ein Backup fahren, von der CD booten und mittels (st0 = SCSI-Tape-Device 0)
tar tvf /dev/st0
gucken, ob man auf das Tape Zugriff hat. Ansonsten kann man auch folgendes benutzen, um z.B. auf irgendein Medium (ZIP, MOD, JAZ, etc.) zu sichern:
mount /mod; cd / ; tar cvjf /mod/backup.tar.bz2 --exclude=./mod . # weitere excludes s.o.!
das Restore geht dann analog:
cd / ; tar xvjf /mod/backup.tar.bz2
aber vorher natürlich sicherstellen, dass tar und bzip2 auf einem bootfähigen Rettungsmedium zur Verfügung stehen. Und natürlich die Partitionen entsprechend anordnen. Man kann auch innerhalb des Rettungssystems die zukünftige root-Partition z.B. unter /mnt mounten, alle anderen Partitionen dann, wie gewünscht, darunter. Die Partitionierung ist im Prinzip beliebig (sie muss nicht unbedingt mit der vorherigen übereinstimmen), man sollte aber darauf achten, dass auf den neu erstellten Partitionen genug Platz ist für die jeweiligen geplanten Mountpoints (z.B. ein /var von 10 MB ist selten sinnvoll).
Der Parameter "j" beim tar-Aufruf komprimiert den Datenstrom mit bzip2, siehe dazu auch Anmerkungen bei der Bandsicherung. Bei Sicherung auf Festplatte / Wechselmedium kann das sinnvoll sein, denn die komprimieren i.d.R. nicht selbst - es bleibt aber gefährlich bei Medienfehlern!
Problem und Lösung
Problem:
Wie kann man unter Linux bestimmte Files und die ganze Partition so sichern, dass man nachher einzelne Files aus einem Backup wieder herstellen kann? Geht das mit tar? Und wie kann man dann auf dem Band (SCSI-Dat) sehen, welche Files dort schon angelegt wurden? Wieso kann man nicht mit xtar auf das Band zugreifen? Fragen über Fragen...
Lösung:
Versuche es mit dump. Alle Zugriffsrechte, Zeiten, Links und sonst alles Notwendige werden gesichert.
dump 0f /dev/st0 /mountpoint # sichert eine Partition
dump 0f /dev/st0 # sichert einzelne Files
cd /mnt ; restore rf /dev/st0 # stellt eine Partition wieder her
cd /mnt ; restore if /dev/st0 # stellt einzelne Files per interaktivem Eingriff wieder her
Zu weiteren Optionen siehe man dump und man restore (ggfs. vorher installieren).
Wenn man eine Liste von Dateien haben will, die gesichert wurden, und mittels dieser Liste dann schnell einzelne Dateien restaurieren will (d.h. aus 2GB innerhalb von 1-2 Minuten, nicht einer Stunde), sollte man sich einmal dds2tar anschauen. Das ist eine Erweiterung für tar, welche eine Indexdatei erzeugt und beim Restore das Band schnell an die richtige(n) Stelle(n) spulen kann. tar selbst kann das von Haus aus normalerweise nicht.
Ist es richtig, dass dds2tar nicht bei DLT Laufwerken funktioniert (der Programmname deutet ja auch eigentlich auf dds Streamer) ? Beim Erstellen der index-Datei mit dds2index scheint noch Alles zu klappen aber beim Zurücksichern bekomme ich die Meldung "ioctl SEEK input/output ERROR". Ursprünglich war ich auf der Suche, die Rücksicherung einer einzelnen Datei aus einem 5 GB tar-Archiv vom DLT Band zu beschleunigen... –
Wer eine hübsche, simple GUI für das Tape-Backup haben will und ein DAT-Tape hat, kann sich ruhig mal kdat angucken. Das Programm für KDE erzeugt Standard-tar-Archive auf dem Tape, diese lassen sich also auch ohne ein laufendes KDE wieder restaurieren - und es erlaubt ein Restore von einzelnen Dateien, erzeugt Index-Dateien und ist nett zu bedienen.
bereitgestellt von: Helga | am: 01.02.2005 22:53
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